Neue Funktionen bei Google: Gefahren für Webseitenbetreiber Drucken E-Mail

google_exp.jpg15. Mai 09. Sie betreiben eine Webseite und sind angewiesen auf Anfragen aus dem Internet? Sie bemühen sich um gute Ergebnisse in Google? Ziehen Sie sich warm an. Google kündigte gerade einige wichtige neue Funktionen an, die Sie mit Sicherheit Internet-Traffic kosten werden. Lesen Sie warum.

 

Man hat ja drauf gewartet. Mit einigen wichtigen neuen Funktionen bietet Google nicht nur Twitter als dem derzeit hippsten "News-Suche-Medium" die Stirn, sondern greift auch die Wissensplattform Wikipedia an. In den nächsten Tagen wird die auch künftig spartanisch wirkende Oberfläche der Suchmaschine einige "kleine" Anpassungen mit großer Wirkung erfahren.


Der Suchende profitiert von den neuen Funktionen enorm. Anders sieht das freilich für den Webseitenbetreiber aus. Google will die Suche für seine Kunden verfeinern ("Search Options") und damit anwenderfreundlicher gestalten. Dazu wird links eine Seitenspalte mit Verfeinerungsoptionen eingeblendet werden ("nur Beiträge der letzten 24 Stunden / der letzten Woche / des letzten Jahres", nur Blogs, nur Reviews, nur News, nur Bilder etc). Auf diese Weise können die Suchenden ohne komplexe Suchabfragen ihre Trefferliste, die rechts in "Echtzeit" erneuert wird, click by click verfeinern. Was heißt das für Webseitenbetreiber?


Einiges. Künftig sehen Google-Nutzer wohl genauere und passendere Resultate, das heißt die Suchmaschine behält den Suchenden länger auf der eigenen Site und mancher „Testbesuch" auf den Trefferseiten ist nicht mehr nötig. Anders gesagt: Google generiert mehr Pageimpressions auf der eigenen und weniger auf den indexierten Seiten.


Auch wird sich wohl der Suchmaschinen-Optimierwettbewerb unter den Inhalte-Anbietern noch verschärfen. Google plant nämlich auch Tags aus Inhalt-Markup-Sprachen auszuwerten und zu jedem Treffer noch in der Übersicht weitere relevante Meta-Informationen anzuzeigen ("Rich Snippets"). Für den Fachmann bedeutet dies, dass die Resultat-Zeile für Review-Seiten zu einem Suchbegriff beispielsweise auch gleich die durchschnittliche Bewertung des Suchgegenstands auf dieser Seite anzeigt. Ebenso wie viele Reviews/Kommentare die Seite zu dem Gegenstand insgesamt anbietet - und von wann der jüngste stammt. Die Informationen dazu kommen aus den Headern der Webseiten selber. Das könnte der Startschuss für ein neues Wettrüsten mit Zusatztags in den Markup-Sprachen RDFa und Microformats unter den SEO-Webmastern sein. Und am Einsatz der Bewertungsmethoden kommt auch kaum einer vorbei. Man hat selbst dann ein schweres Spiel, wenn die eigene Seite in Google grundsätzlich hoch eingestuft wird (‚Page Rank‘).


Doch es geht noch weiter. Für Ende Juni 2009 wurde "Google squared" angekündigt. Damit betritt der Suchmaschinengigant völliges Neuland. Erstmals wird aus Fremdinhalten etwas gänzlich neues aggregiert. Google geht zu Recht davon aus, dass ein Großteil aller Internet-Recherchen zur Aggregation von Daten dient: Nutzer durchsuchen das ganze Web nach Informationen, um eine Tabelle mit klassifizierbaren Informationen zu einem Thema zusammenzustellen. Warum also nicht gleich diese Tabelle selbst ausgeben?

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Das tut ‚squared‘. Wenn Marissa Meyer, bei Google VP für Search Products & User Experience, ‚Small Dogs‘ eingibt, liefert 'squared' in Sekunden eine Tabelle mit allen kleinen Hunderassen die es gibt. In der ersten Spalte der Name, in der zweiten ein Bild, in der dritten das Gewicht.


Schon bei der Demo auf dem diesjährigen „Searchology"-Kongress lieferte die Anwendung bereits erstaunliche Resultate. So kann der Suchende auch weitere Spalten zufügen, wozu ihm Kriterien vorgeschlagen werden, er diese aber auch frei definieren kann. Die Resultate und damit der Inhalt jeder einzelnen Zelle stammen von verschiedensten Webseiten. Per Mouse-Over Effekt werden Informationen zur Ursprungswebseite angezeigt.

 

Leider muss man sich fragen, ob noch jemand, dem diese aussagekräftige Ergebnistabelle zur Verfügung steht, auf eine der Ursprungsseiten surft? Was bedeutet das: Google liefert künftig Bilder, Texte und Zahlenmaterial ungeachtet der Urheberrechte. Der Lieferant der Information bekommt den Nachfrager in vielen Fällen gar nicht mehr zu Gesicht, geschweige denn kommt mit diesem in Kontakt.


Weitere Veränderungen, die jeden Webseitenbetreiber interessieren, vielleicht auch stressen werden: Google hat große Fortschritte bei der Erkennung der Situation eines Suchenden gemacht. Bei jedem Suchvorgang wird mittlerweile der geographische Standort des Nutzers berücksichtigt. Die Suche nach "Broadway" fördert in San Francisco etwas ganz anderes zu Tage als in New York.


Einen gravierenden Unterschied wird künftig die Möglichkeit einer zeitlichen Begrenzung bei den Suchmaschinenergebnissen machen. Bisher hat Google standardmäßig die Treffer nach Relevanz angezeigt, und häufig war der relevanteste Treffer mehrere Jahre alt. Wer aktuelle Information benötigt, kann das künftig einstellen, indem die Suchresultate zeitlich begrenzt werden können. Die Zeitleiste schliesslich spuckt eine Balkengrafik aus, die für jeden Suchbegriff die Zahl der Erwähnungen zu jedem messbaren Zeitpunkt anzeigt. Und zwar nicht den Zeitpunkt der Erwähnung im Web, sondern, wenn erfassbar, in den zugrundeliegenden Dokumenten.


Eine ganze Reihe gravierender Veränderungen, die für internet- und speziell Google-gestützte Geschäftsmodelle teilweise verheerende Konsequenzen haben könnten. Gleichzeitig stecken in großen Veränderungen auch große Chancen. Die Webseite als statischer Informationsfundus hat dann vielleicht endgültig ausgedient. Eine Webseite sollte - um erfolgreich zu sein - möglicherweise künftig einen zusätzlichen, an die Nutzung der Seite gebundenen Mehrwert bieten, den Google nicht auf einer vorgeschalteten Ergebnisliste darstellen oder abkopieren kann. Das könnten Applikationen, Dienste, Mashups sein. Ring frei für die Kreativen.


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